Was hatten die Zünfte sonst noch zu tun?

2. Die Zünfte garantierten die Qualität von Exportprodukten, etwa mit dem Bleisiegel an einer Leinwandrolle: Der Käufer durfte sicher sein, dass die Leinenweberzunft das Tuch "nach Strich und Faden" geprüft hatte. Ein aufgeprägtes Zeichen auf der Schwertklinge gab Sicherheit, dass die Waffe getestet worden war und sich als "hieb- und stichfest" erwiesen hatte. Mit strengen Kontrollen sicherten so die Zünfte auf den Exportmärkten angemessene Preise für anerkannt gute Ware.

 

3. Die Kriegsmannschaft einer Stadt rückte zunftweise ein und zog zunftweise auf die Mauerwache. Bei der Aufstellung zum Gefecht stellte der Feldhauptmann wahrscheinlich nicht die Krämer oder Schneider an die taktisch wichtigen Stellen, sondern die Zimmerleute, die Schmiede und die Metzger.

 

4. Die Zünfte waren - in später reformierten Gebieten natürlich nur vor der Reformation - auch religiöse Bruderschaften, die in den Kirchen Altäre für ihre berufsbezogenen Heiligen stifteten, die Zimmerleute etwa für Joseph, die Schmiede für Eligius, die Schneider für Johannes den Täufer. Starb ein Meister, organisierte die Zunft das Begräbnis und bot alle Mitglieder dazu auf.

 

5. Jede Zunft hatte ihr Zunfthaus oder wenigstens ihre Trinkstube, wo man sich zu ernsthafter Beratung, aber auch zu fröhlicher Geselligkeit traf. Spezielle Stubenordnungen sollten dafür sorgen, dass auch bei ausgelassenem Treiben der Anstand gewahrt blieb.

 

6. Das Wichtigste zum Schluss: Die Zünfte waren vor allem auch Kartelle. Sie regelten die Preise, die Löhne, die Verkaufszeiten, sie bestimmten die maximale Grösse der Betriebe und auch, wie viele Betriebe einer Branche in einer Stadt zugelassen waren. Der Wettbewerb wurde so weit gebremst, dass jeder Meister sein gutes Auskommen hatte. Nur wenn die Einwohnerzahl einer Stadt markant zunahm und die Arbeit den Meistern über den Kopf zu wachsen begann, beschlossen die Zünfte, zusätzliche Betriebe zu bewilligen. Da solches nur selten geschah, hatten faktisch nur Zünfterssöhne eine reelle Chance, Meister mit eigenem Betrieb zu werden. Die meisten Gesellen blieben ihr Leben lang Lohnarbeiter. Der eine oder andere freilich kam durch die Heirat mit der Tochter oder der Witwe eines Meisters doch noch zum eigenen Betrieb.